Beschreibung   „ Eyershäuser Tracht „ am 16.Mai 1999

 

Vorstellung am Vereinsheim in Eyershausen, durch die Trachtenberaterin Fr. Landgraf vom Bezirk Unterfranken

 

 
Die Tracht wurde neu erarbeitet nach Studium der Trachten der umliegenden Ortschaften im Grabfeld und Milzgrund. Auch der thüringische Einfluss wird deutlich.
 

 

Ort katholische Konfession
 
Studium alter Bildquellen
 
 
a, Valentin Hummel: Lithographien,1852, in : Die altherkömmlichen
                              Trachten des Grabfeld-Gaues zur Erinnerung an das
                              landwirtschaftliche Bezirksfest am 12.9.1852 zu
                              Königshofen im Grabfeld.
                              Verlag und Lithographie Valentin Hummel.
b, Peter Geist:         Trachten-Aquarelle, 1852, in: Trachten aus
                              Franken. (Trachtenmappe). Erschienen im
                              Franconica-Verlag, Bad Königshofen/Würzburg,
                              1982. Mit einem Geleitwort von Dr. Reinhard
                              Worschech. (Insgesamt 32 Blätter)
 
- Mustermieder angefertigt von Frau Heike Conrad, Trachtenschneiderin
   aus Gleichamberg
- Altes Mieder aus dem Familienbesitz von H. Jeger, Eyershausen
- Alte Männerhose aus den Sammlungen des Fränkischen Freiland-
   museums Fladungen.
 
 
Männertracht:
 
 
 
Hose:    Heller, gelblicher Velveton (Baumwollstoff, angerauht, Oberfläche
            samtartig)
            Kniebundhose ohne Stickerei, eingearbeitete Hosentaschen mit
            umgelegter Ecke, auf die ein Knopf aufgesetzt ist.
            Am Kniebund seitlich geschlitzt und dreifach geknöpft u. gebunden
            Zur Hose werden einfache Hosenträger aus Leder oder
            bestickte Hosenträger getragen.
 
 
 
 
Weste:  Wollbrokat (Schurwolle mit Polyamid) oder Seidenbrokat
            (Jacquardgewebe, Seide mit Polyester), runder Halsausschnitt,
            ohne Kragen und ohne Revers, ein- oder zweireihig geknöpft,
            Münzknöpfe.
 
 
 
Jacke:  kurze, blaue Jacke, aus Feintuch-Loden, mit Revers, abgerundet,
           Vorderkanten stoßen aneinander, mit zwei Knopfreihen
           (Münzknöpfe) besetzt, gefüttert.
 
Mantel: Dunkelblauer Mantel aus wollenem Tuch (wertvoller Stoff)
            Vorderkanten stossen aneinander, mit zwei Knopfreihen besetzt,
            Knöpfe sind mit Stoff überzogen, Schoßteil wie bei Gehrock
            gearbeitet, Napolenkragen und Revers.
 
 
 
Hemd:  Langärmeliges, weißes Hemd aus Baumwolle (auch Leinen),
            runder Halsausschnitt, mit Stehbündchen, Vorderteil mittig
            geschlitzt, mit Schlitzblende, geknöpft, am Riegel Stickerei als
            Verzierung: Kreuzstichstickerei, bunt, Monogramm und florale
            Motive, Biesen.
            Zum Hemd wird ein Seidentüchlein oder ein bedrucktes Baum-
            wolltüchlein um den Hals getragen.
 
 
Zur Männertracht gehören ferner weiße, gestrickte Musterstrümpfe,
Schnallenschuhe aus schwarzem Leder und der fränkische
Dreispitz als Kopfbedeckung.
 
 
 
Frauentracht:
 
 
 
 
Rock:      Rock aus farbigem Wollstoff, Grundfarben: rostbraun, schwarz,
              grün und blau, gestiftelt (Rücken und seitlich bis über Hüfte),
              7 Reihen, vorne glatt gehalten unter Schürze,
              Saumabschluss: Spiegel aus buntem Baumwolldruck (auch
              verwendet als Futterstoff für Mieder), Blumenmuster,
              keine Besenborte.
 
Schürze: Schürze aus Seidenbrokat (Seide mit Polyester, Jacquard-
              gewebe), farblich abgestimmt auf Rock und Mieder, mit
              Blütenmuster, z.T. Streifeneffekt, in Falten gelegt, am Bund
              mehrfach waagerecht parallel abgesteppt, nicht bestickt,
              zu beiden Seiten am Rockbund angeknöpft.
 
 
 
Mieder:  Mieder aus zwei verschiedenen Stoffen genäht: Wollbrokat
             und Rockstoff, Wollbrokat ist kleingemustert, Mieder ist
             urchgeknöpft, Silberknöpfe, Kante des Vorderteils (Knopf-
             leiste) ist gebogt oder Hanenkamm-ähnlich gearbeitet und mit
             einer Blende aus dem unifarbenen Rockstoff versehen.
             Der runde Halsausschnitt ist mit einer breiten unifarbenen Blende
             (Rockstoff) eingefasst. Die Armausschnitte sind mit einem farb-
             lich abgesetzten Ripsband eingefasst. Ebenso ein Teil des
             Schlösschens in der rückwärtigen Mitte.
             Das Mieder ist mit angeschnittenem Schößchen gearbeitet, das
             mehrfach geschlitzt ist, in der rückwärtigen Mitte länger und
             abgerundet gestaltet. In der Mitte des Rückteils ist wiederum ein
             einfarbiger Stoffeinsatz (gleicher Stoff wie Rock). Das Mieder
             ist mit einem buntgemusterten (Blumenmuster) Baumwolldruck
             gefüttert. Die Blende am Halsausschnitt ist mit Zierstickerei ver-
             sehen.
 
Bluse:     Weiße Bluse aus Baumwollstoff (Batist, auch Leinen), mit drei-
              viertellangem Arm, z.B. aus alter Bettwäsche genäht, runder Hals-
              ausschnitt und Ärmelkanten mit Wäschespitze (Häkelspitze, Loch-
              stickereispitze etc. besetzt. Halsausschnitt vorne mittig geschlitzt,
              Knopfverschluß (Wäscheknopf). Außerdem ist die Bluse am Hals-
              ausschnitt und an den Ärmeln (Schulter u. Ärmelkante) gestiftet.
 
Haube:   Die Hauben sind alle selbst genäht und der Haubenboden selbst
             bestickt ! ! ! Die Form der Haube ist von thüringischen Vorbildern
             und von solchen aus dem Milzgrund beeinflusst. Daher sieht die
             Haube etwas anders aus als die typisch unterfränkischen.
             Die Haube ist aus schwarzem Moire` (Rips mit Press-Glanzeffekt)
             gearbeitet. Haubenboden: Haubenfleck aus Seidenstoff, dieser
             farblich abgestimmt auf die anderen Teile der Tracht, ebenso die
             mehrfarbige Zierstickerei (florale Ornamentik, Muster nach Vor-
             bildern jeweils selbst entworfen) darauf.
             Für die Stickerei wurden Seidengarn, Perlen, Pailletten, Bouillon-
             draht und Chenillegarn (vgl. Thüringen und Milzgrund) verwendet.
 
 
 
 
 
 
Vervollständigt wird die Tracht der Frauen durch weiße Musterstrümpfe und Schnallenschuhe aus schwarzem Leder.
 
 
                                                                          Erstellt 10/07 Ph.Sebald