Chronik

Bauer Dietmar/Philipp Sebald, Planbursche 1971 

Die Plankirchweih in Eyershausen

Die Plankirchweih in Eyershausen wird nach altherkömmlicher Art alle 10 Jahre aufgeführt. Wahrscheinlich wird der Plantanz, der auch ortsüblich als „Zechen“ bezeichnet wird, schon seit Jahrhunderten aufgeführt. Nach mündlicher Überlieferung gilt als sicher, dass seit 1899 alle 10 Jahre eine Plankirchweih stattfindet, mit Ausnahme von 1941, wo das Zechen den Kriegswirren zum Opfer fiel.

Worin besteht nun der Sinn eines solchen Brauches? Als Zeitpunkt wurde wahrscheinlich deshalb der November gewählt, weil dann die Ernte eingebracht, aber auch die Saat schon wieder im Boden schlummert. Unsere überwiegend bäuerlichen Vorfahren freuten sich, dass die beiden wichtigsten Abschnitte im Laufe der Jahre hinter ihnen lagen. Gemeinsam versammelte man sich deshalb auf dem „Plan“, wo man in ernsten Worten die Bedeutung dieses Festtages herausstellte, aber auch nicht vergaß, in humorvollen Versen kleine Vergehen der Mitbürger und Anekdoten in Erinnerung zu bringen.

Die Zechgesetze sind sehr streng. Sollte das Zechen einmal ausfallen, weil keine Planpaare zusammenfinden, würde der Brauch der eigentlich nur von Unverheirateten gepflegt wird, ein Jahr später auf die Verheirateten übergehen. Dies wäre dann das letzte Zechen. Der Brauch wäre für immer erloschen. Zechberechtigt war früher jeder Schulentlassene, ledige Bursche. Väter von unehelichen Kindern oder sonst „übel beleumundete Burschen“ waren ausgeschossen. Heute müssen die Burschen 18 Jahre und die Mädchen 16 Jahre alt sein, wobei schon einmal Ausnahmen möglich sind. Ganz klar muss herausgestellt werden, dass nur die Burschen, nicht die Mädchen zechen! Ist ein auswärtiger Bursche mit einem Mädchen verlobt, kann die Teilnahme nach gemeinsamer Rücksprache erlaubt werden. Heiratet der Bursche aber das Mädchen nicht innerhalb von drei Jahren, so war früher die Zahlung von 50 Liter Bier, heute ist meist eine Kiste Wein oder ein Hektoliter Bier am Kirchweihsonntag fällig. 1981 waren auch auswärtige Damen zugelassen, während 1951 strikt darauf geachtet wurde, dass die Flüchtlingsmädchen nicht den einheimischen Mädchen die Burschen wegschnappten. Wer von den Burschen unterschrieben hat, und nicht am Zechen teilnimmt, muss ebenfalls einen Hektoliter Bier bezahlen. Das Mädchen darf dem Burschen keinen Korb geben, sonst ist eine Teilnahme an der Plankirchweih nicht mehr möglich!

Früher wurde mit Frack und Zylinder, sowie in weißen Kleidern gezecht

Es ist für jeden Zechbuben Ehrensache, dass er für sein Zechmädchen alles bezahlt. Dafür nimmt das Mädchen den Buben mit nach Hause zum Essen. Ebenso versorgte früher das Mädchen den Buben mit Rauchwaren und kauft das Zechsträßchen. Jeder Planbursche verpflichtet sich, wenigstens jede dritte Tour mit der Dame zu tanzen. Die beiden ersten Zechbuben mussten früher mit jedem Zechmädchen wenigstens eine Tour tanzen. Der erste und zweite Zechbursche trug im Jahre 1951 noch eine spitzenbesetzte neue Schürze, die die Partnerin kaufen musste.
Während sich 1951 die Burschen noch vier Wochen vor der Kirchweih versammelten, um den Plantanz zu beschließen, trafen sich die jungen Männer 1991 bereits ein Jahr vorher. Das Fest verlangt heute größere Organisation und immer mehr Vorbereitungen. In früheren Jahren wurde ein eigener Ablauf des Plantanzes gewählt, der für den reibungslosen Ablauf des Plantanzes zu sorgen hatte. Später wählte man bei der ersten Zusammenkunft den ersten und zweiten Planburschen, sowie den Kassier. Seit 1981 entschloss man sich, außerdem eine Vorstandschaft zu wählen.
Zur Deckung der ersten Auslagen wurde eine Woche vor der Kirchweih eine Getreidesammlung durchgeführt. Seit 1981 wird außerdem noch ein Burschenvereinsfest abgehalten. Neu im Programm tauchte 1981 der Tanzkurs auf. Unsere junge discobegeisterte Jugend befürchtete anscheinend, beim Tanz um den Baum im Walzeschritt nicht bestehen zu können.

Wie läuft nun der Plantanz ab?

Er erstreckt sich über vier Tage, von Kirchweihsamstag bis zum Kirchweihdienstag.

1. Der Kirchweihsamstag

Am frühen Morgen wird der Zechbaum und die Planbaumspitze gefällt und vor das Dorf gefahren. Der Baum muss vollkommen unversehrt sein, darf also keine Kratzer haben. 1971 wurde der bereits gefällte Baum seiner Rinde entledigt, so dass ein neuer Baum geschlagen werden musste. Wenngleich Zugpferde in Eyershausen nicht mehr vorhanden sind, so konnte doch bisher immer noch ein Pferdegespann aufgetrieben werden. Zuletzt löste ein Oldtimer – Bulldog die Pferde am Wagen, der die Spitze fährt, ab.

Die Mädchen schmücken dann Pferde und Wagen. Sodann wird ein Faß Bier auf den Baum gestellt. Die Mädchen und Burschen setzen sich auf den Stamm und der Zug setzte sich, die Musikkapelle voraus, Richtung Dorf in Bewegung.

Immer wieder tönt es dabei:“ Wen g´hört die Kirmes? Uns g´hört die Kirmes!“

Auf dem Plan wird der Zechbaum „angeschäfft“, damit eine Fichtenspitze aufgesetzt werden kann. Die Musikkapelle spielt während dieser Zeit, und das Bier wird aus Krügen und Gießkannen getrunken. Nach alter Tradition stiftet die Brauerei, die das Bier für die Gemeindegaststätte liefert, einen Hektoliter Freibier. Gleichzeitig schmücken die Mädchen den Baum mit bunten Schleifchen, für jedes Paar eine Schleife, und früher auch mit bunten Holzspänen. Außerdem wird noch ein großer, von den Planmädchen geflochtener Kranz am Baum befestigt.

Hierauf folgt der Höhepunkt des 1. Tages! Der Baum wird aufgestellt. Früher wurden dabei viele Hände gebraucht, und das Aufstellen war nicht ungefährlich.
Heute hat man nur noch ein kleines Loch im Asphalt zur Verfügung und kann deshalb den Baum nicht mehr mit zugerichteten „Schwalben“ aufstellen. Ein Kran garantiert seit 1981, dass alles ohne Gefahr und vor allem pünktlich abläuft. Nach 1951 nämlich musste der Baum um 14.00 Uhr stehen, wenn die Glocken den Sonntag einläuteten.
Hängt dann der Kranz so schief, so heißt es:“ Unter den Zechmädchen befindet sich eine, die ein Kind erwartet.“
Zuletzt wird das Podium gebaut. Die kleinen Fichten oder Birken, die den „Plan“ umzäumen, werden mit Papierschleifchen geschmückt.
Damit nicht die verheirateten den Baum fällen oder schälen, wird dieser von den Planburschen die ganze Nacht bewacht. Jeweils zwei Burschen schieben Wache, während die anderen Planpaare zusammen mir der ganzen Bevölkerung das Tanzbein schwingen.

2. Der Kirchweihsonntag

Am Sonntagmorgen holt der Planbursche sein Mädchen von ihrem Hause ab und begibt sich mit ihr zum „Plan“. Anschließend findet der gemeinsame Kirchgang statt. Nach dem Frühschoppen sind die Burschen bei ihren Mädchen zum Mittagessen eingeladen.

Um 14.00 Uhr werden in einem von der Musikkapelle angeführten Zug die Ehrengäste: Pfarrer, Bürgermeister, Stadtrat und die Lehrer des Ortes abgeholt. Dabei überreichen der erste und der zweite Zechbursche eine Torte und eine Kanne Wein, seit 1971 einen Bocksbeutel.

Am Kriegerdenkmal legt der 1. Zechbursche als Zeichen der Verbundenheit mit den Verstorbenen einen Kranz nieder.

Am Plan stellen sich die ersten Zechpaare vor und trinken der Allgemeinheit zu.
Der Bürgermeister eröffnet die Kirchweih.

Als Höhepunkt des 2. Tages wird die gereimte Zechgeschichte abwechselnd von den beiden ersten Zechburschen vorgetragen. Dann folgen die Extratouren: ein Walzer, ein Rheinländer und ein Schottisch. Fand der öffentliche Tanz früher gleich danach statt, so trifft sich die Dorfbevölkerung heute am Abend im Tanzsaal. Eröffnet werden Veranstaltungen auch an den nächsten Tagen durch drei Extratouren für die Zechpaare.

3. Der Kirchweihmontag

Um 13.00 Uhr zog früher die Kapelle durch das Dorf, und alle Planpaare schlossen sich dem Zug an. 1991 fand erstmals zuvor ein gemeinsames Mittagessen in der Gaststätte statt. Der 1. Planbursche hielt noch 1951 eine Rede über den „ernsten Sinn dieser Tage“ bevor der 2. Planbursche die „Kirchweih-Predigt“ verlas. Diese hat heute mehr das dörfliche Geschehen zum Inhalt. Anschließend folgen drei Touren für die Planpaare, dann die Touren für die Schuljugend und die kleinsten.

Einen weiteren Höhepunkt stellt der sogenannte „Hahnenschlag“ dar. Einem Mädchen werden die Augen verbunden, und es muss versuchen, mit einem Dreschschlegel in drei Versuchen eine Blechdose zu treffen. Erst dann, wird der echte Hahn aus der Kiste geholt, und das Planmädchen tanzt mit dem Federvieh einen Walzer. Die Reihenfolge, in der die Mädchen ihr Glück versuchen dürfen, ist genau festgelegt: Erst nach den Mädchen der ersten Planburschen kommen die Mädchen nach dem Alter ihrer Burschen an die Reihe. Auch den Montag beschließt am Abend ein öffentlicher Tanz.

4. Der Kirchweihdienstag

Früh findet der gemeinsame Kirchgang statt. Nach dem von den Zechbuben bestellten Dankgottesdienst wird in jedem Haus im Dorf ein Ständchen gespielt. Früher kam zuerst der Bürgermeister, dann der Pfarrer, der Lehrer und schließlich jedes Haus nach seiner Hausnummer an die Reihe. Mit dem Spruch „Wir sind vom Zechverein und sammeln heut´die Gaben ein“ wurde früher schon einmal mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Die Zechburschen bedanken sich und tanzen mit den Hausfrauen. Wohnte ein Zechmädel im Haus, so war es einmal üblich, dass es sein Ständchen abwartete und sich dann dem Zug anschloss.

Die gesammelten Naturalien und Gegenstände werden dann am Nachmittag versteigert, um die Kasse etwas aufzubessern. Auch an diesem Tag findet eine Tanzveranstaltung statt. Früher wurde dabei das Ergebnis der Sammlung verkonsumiert, alles war damals frei.

Am Samstag darauf wurde der Zechbaum umgelegt und öffentlich an den Meistbietenden versteigert. Heute geschieht dies am Faschingsdienstag. Der Erlös wird heute wie damals der Zechkasse zugeführt.
Begnügten sich die Planburschen früher mit einer kleinen Abschlussfeier, so organisiert man heute einen gemeinsamen Ausflug. So waren die jungen Leute 1971 in Amsterdam, 1981 und 1991 jeweils in Österreich auf großer Fahrt.

Man vergaß aber dabei nicht, einen Teil der Einnahmen für einen guten Zweck bereitzustellen. Seien es neue Glocken, Kriegergedächtniskapelle, Gedächtnistafel für die Gefallenen, Restaurierung eines Feldkreuzes, Christbaumbeleuchtung und für Spielgeräte für den Kindergarten.

Die Plankirchweih in Eyershausen ist ein alter Brauch, den es zu erhalten gilt. Der Plantanz stellt nicht nur eine gute Abwechslung zum Alltag dar, sondern durch die Ausrichtung des selben wachsen die jungen Leute zu einer echten Gemeinschaft zusammen, die auch über die Kirchweih hinaus weiterwirkt. Wir können deshalb nur hoffen, dass auch über die moderne Zeit es nicht verhindern kann, dass sich immer wieder junge Leute zusammenfinden, die diesen alten und schönen Brauch bestehen lassen.