Vorbildlicher Mittelwald

Gremiumsmitglied Philipp Sebald berichtete von der Präsentation über die Mittelwaldwirtschaft in Eyershausen, die er zusammengestellt und unter anderem auf Einladung der Thüringischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena gehalten hat. Wie er berichtete, stießen die Erfahrungen und Fotos auf große Resonanz, denn die Mittelwaldwirtschaft wird nur noch selten betrieben und funktioniert in Eyershausen besonders vorbildlich. Stolz ist die „Schutzgemeinschaft Mittelwald Eyershausen“ auf die Verleihung der Goldmedaille für „Vorbildliche Waldbewirtschaftung“, die die Stadt Bad Königshofen als Besitzer des Waldes erhalten hat.

Rege Diskussionen gab es in Jena über diese Art der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die schon rund tausend Jahre alt ist und bei der nach einem genauen Zeitplan und nach einer öffentlichen Auslosung alle Rechtler Holz aus ihrem Wald erhalten. Die Beobachtungen zeigten, dass sich im Mittelwald auch eine besondere Tierwelt bildet, die teilweise mit der Nutzung mitwandert.

 

EYERSHAUSEN                   24.02.2012
Philipp Sebald als Vorsitzender bestätigt

 

Aus der Jahresversammlung der Eyershäuser Schutzgemeinschaft Mittelwald

Kürzlich fand im Eyershäuser Gemeindesaal die Jahresversammlung der örtlichen Schutzgemeinschaft Mittelwald statt.

Vorsitzender Philipp Sebald trug den Tätigkeitsbericht der letzten sechs Jahre vor.

Kassier Alois Büttner verlas den Kassenbericht, Schriftführer Hilmar Homer das Protokoll.

Sebald zeigte sich dann erfreut darüber, dass so viele junge Eyershäuser zur Versammlung erschienen sind und betonte, wie wichtig es sei, die Jugend mit in das Holzrecht einzubeziehen.

Anhand einer Präsentation stellte er die Entstehung und den Verlauf durch die Jahrhunderte des Rechtlerholzes dar, welches in Eyershausen bereits seit 1200 Jahren besteht. Zwar sei das Recht erst seit 1573 schriftlich geregelt, doch mündliche Überlieferungen ließen auf das wahre Alter des Holzrechtes schließen. Durch die Eingemeindung von Eyershausen zur Stadt Bad Königshofen sei zwar auch der Besitz von Grund und Boden auf die Stadt übergegangen, man habe sich darauf einigen könne, dass das Holzrecht weiterhin, ohne Änderung,  bestehen bleibt.

Sebald erläuterte, wer in Eyershausen ein Holzrecht besitzt und wer nicht. Aufgrund einiger Unstimmigkeiten mit der Stadt sei 1988 die Schutzgemeinschaft Mittelwald gegründet worden, um den Eyershäusern weiterhin das Holzrecht gewährleisten zu können.

Anschließend stand der Punkt Neuwahlen auf der Tagesordnung. Vorsitzender bleibt Philipp Sebald, der stellvertretende Vorsitzende Berthold Schüller übergab sein Amt, nach langjähriger Ausübung an Matthias Jeger ab. Schriftführer und Kassier bleiben weiterhin Hilmar Homer und Alois Büttner, auch die Beisitzer Hubert Schüll, Erhard Zeißlein, Martin Schnaus und Erich Katzenberger bleiben weiter ihrem Amt treu.

Sebald dankte dem scheidenden stellvertretenden Vorsitzenden noch einmal für seine langjährige Arbeit.

 

Artikel von HELMUT GLAUCH in der Mainpost vom 27.02.2004 / Nr. 48

EYERSHAUSEN

wie bei unseren Vorfahren

Späte, aber wertvolle Anerkennung für den Eyershäuser Rechtlerwald

Das hätten sich die Eyershäuser Holzrechtler vor 20 Jahren nicht träumen lassen. Ihre traditionelle Art der Waldbewirtschaftung, einst als Kahlschlag geschmäht und von den Behörden kritisch beobachtet, ist nun (wie bereits am 4. Februar berichtet) mit dem Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung ausgezeichnet worden. Ein Preis des bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten, der sich zwar nicht in Cent und Euro, sondern lediglich mit Medaille und Urkunde bemerkbar macht. Und dennoch stärkt er den Eyershäuser Holzrechtlern gehörig den Rücken. Ihre Art der Holzbewirtschaftung, die seit mindestens 600 Jahren so betrieben wird, erhielt nach höchster fachlicher Begutachtung Bestnoten was den Artenschutz und den Erhalt der Vielfalt des Waldes angeht.
Auf rund 200 Hektar pflegen rund 130 Rechtler diese historische Form der Mittelwaldwirtschaft. „Und das erfreulich rege und konsequent", freut sich Michael Krämer. Er ist Fachreferent für Naturschutz am Landratsamt und ist als solcher bestens mit den Vorgängen im Rechtlerwald vertraut und weiß um die ökologische Bedeutung.
Im 25-jährigen Umtrieb werden die Rechtler-Wälder bearbeitet. Das heißt, dass so ein Rechtlerholz alle 25 Jahre geschlagen wird. „Die Holzrechtler nehmen die in einem Vierteljahrhundert nachgewachsenen Stockaustriebe weg, lassen aber genügend Bäume stehen, so dass ein lichter Wald erhalten bleibt".
Für die Holzrechtler ist dies eine angenehme Art Holz zu machen, denn das so geerntete Holz muss nur ofenfertig gesägt und nicht mehr gespalten werden. Für den Wald bedeutet dies, dass sich in diesen so genannten „lichten Wäldern" Pflanzen halten können, die in Hochwäldern, die in erster Linie ertragsorientiert sein müssen, keine Chance mehr haben. Würde man das Rechtlerholz sich selbst überlassen, wären die Kronen auch bald zu dicht, um genügend Licht für diesen Pflanzenreichtum auf den Waldboden durchkommen zu lassen. Das so genannte „Artenhilfsprogramm in lichten Wäldern, ist eigentlich passgenau auf eine solche Waldbewirtschaftung zugeschnitten", so Michael Krämer, der gemeinsam mit den Rechtlern in den vergangenen drei Jahren die geplante Förderung über das Artenhilfsprogramm vorbereitet hat.
Vorn seltenen Ziegenmelker über die Arnika bis hin zur borstigen Glockenblume oder das schmalblättrige Lungenkraut sind in Rechtlerwäldern erstaunlich viele Vogel und Pflanzenarten zu finden, die man in dieser Vielfalt gar nicht mehr erwartet hätte. Im Eyershäuser Rechtlerwald seien zum Beispiel vier verschiedene Spechtarten zu beobachten.
„Diese fast schon museale Form der Waldwirtschaft ist sehr wichtig für die Artenvielfalt", so Michael Krämer. Die Vögel und Pflanzen würden buchstäblich den beim Umtrieb entstehenden Lichtungen hinter herziehen. „lm Frühjahr ist der Rechtlernwald der am schönsten blühende, denn dort sind auch wilde Birnen, Kirschen und andere, auch recht seltene Baumarten, zu finden",
Nicht nur der Naturschutz funktioniert im Rechtlerwald vorbildlich. Diese Form der Mittelwaldwirtschaft kommt auch ohne einen Cent staatlichen Zuschusses aus. Und mehr noch. Die Verjüngung und Durchforstung des Waldes wird sozusagen von den Rechtlern erledigt, die Stadt muss mal abgesehen von den Nebenkosten (Grundsteuer, Erhalt der Wege etc.) nur noch zur Holzernte antreten und die für sie attraktiven Stämme, die bei den 25-jährigen Umtrieben jeweils stehen gelassen wurden, ernten.
Immerhin bringt es auch ein Rechtlerwald auf 2 bis 3 Festmeter Holz-Zuwachs pro Jahr. Ein auf Ertrag ausgerichteter Hochwald kann mit fünf Festmetern Zuwachs im Jahr aufwarten.
Bayernweit gesehen bewegt sich die Größe der von Rechtlern bearbeiteten Waldfläche im Promillebereich. Gerade deshalb, so Krämer weiter, sei es wichtig, diese historische Form der Waldwirtschaft zu erhalten. In ganz Bayern, so die Ergebnisse umfangreicher Kartierungen, werden ungefähr noch 6000 Hektar Wald in dieser althergebrachten Weise bewirtschaftet. Ein Viertel davon ist verstreut im Landkreis Rhön-Grabfeld zu finden. Der Kreis ist damit eine Hochburg dieser zwar arbeitsaufwendigen, aber ökologisch intensiven Waldbewirtschaftung. Eine Waldwirtschaft, die überigens vor Jahrhunderten nicht aus ökologischen Gründen geboren wurde. „Die Leute haben sich so so viel dem Wald genommen, wie sie gebraucht haben, aber auch immer genügend stehen lassen, um den Wald in seinem Bestand nicht zu gefährden. Holz für die Häuser und die Öfen, Rinde zum Gerben und Reisig für die Backöfen waren natürliche Rohstoffe, die aus dem Wald geholt wurden.
Das System des Rechtlerholzes funktioniert nur, solange die Bürger auf deren Anwesen ein Holzrecht ist dieses auch mit Leben erfüllen. Krämer wünscht sich, dass auch in Nachbargemeinden in denen noch Holzrechte bestehen, aber kaum genutzt werden, die beinahe eingeschlafene Ausübung der Rechte wieder erweckt werden kann. Das Prinzip der Nachhaltigkeit, welchem sich die Forstwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten wieder verstärkt verpflichtet fühlt, werde in den Rechtlerwäldern sozusagen traditionell und in Reinkultur gelebt.

 

Artikel vom 11.Februar 2011