Gemeindenutzungsrecht - Holznutzungsrecht in Eyershausen

Beschreibung von Philipp Sebald, 1. Vors. Holzrechtler Eyershausen

 

Seit der bäuerlichen Besiedlung des hiesigen Raumes - seit mindestens 1200 Jahre
- nutzen die Bauern den Wald in vielfältiger Weise:
- zum Bau von Haus und Hof ("Huben")
- zum Bau von Wirtschaftsgeräten aus Holz
- Energiequelle zum Kochen und Heizen
- erhebliche Bedeutung als Hut- u. Weidefläche (Eichelmast)

Kahlhieb (Kahlschlag) war unbekannt, die Bauern lebten im Einklang mit der Natur. Die heute wieder propagierte, nachhaltige, naturnahe Waldbewirtschaftung war die allgemeine Regel. Die "Gmoa" (Gemeinde) regelte die Waldnutzung eigenständig. Die Hofbesitzer nutzten den "Allmendewald" (den Wald am unverteilten Gemeindevermögen) zu gleichen Teilen. Diese Selbstreglementierung war die Wiege von den noch heute in Eyershausen existenten
"Gemeindenutzungsrechten nach dem Herkommen und dem Holznutzungsrecht nach dem Herkommen".

1573 - 1617 wurde durch Fürstbischof Julius Echter das Waldedikt erlassen.
Gründe:
- um der Übernutzung des Waldes vorzubeugen
- auf jeder Umtriebsfläche mußte eine Anzahl junger, gut gewachsener Bäume "Laßreitel" stehen bleiben.
- diese wurden in den nachfolgenden Hieb-Perioden 25-30
Jahren nicht gefällt, bis die Stämme Bauholz waren.
Nutzung durch die Bauern zum Bau von Haus,Stall,Scheune.
- Die Bauern waren damals nicht nur zur Allmendenutzung
(Holznutzung) berechtigt sondern auch Besitzer von Grund u.Boden.

1808 u.1818/34 Einführung der Kataster u. den Gemeindeedikten
Bei Anlegung der Kataster gaben die Bauern als Eigentümerin
der Allmende (Holzrechte) die "Gmoa" an und meinten damit die Gesamtheit der Berechtigten, während die Beamten das Eigentum der Gemeinde zugeschrieben haben. Die Rechtler waren sich der Änderung nicht bewußt.
In Eyershausen ging zu diesem Zeitpunkt der Besitz von Grund u.Boden der Allmende für die Rechtler entgültig verloren.
Ab hier ist das Holzrecht unabänderliches " Recht nach dem Herkommen" an fremder Sache geworden.

Mit dem Gemeindeedikt wurden auch die Holzrechte begrenzt.

Neugründungsverbot:
- Berechtigte, nur noch bisherige Höfe nach dem Herkommen
- Neubürger bekamen kein Holzrecht mehr
Ausnahme: Kauf eines Anwesens mit Holzrecht
Voraussetzung: Besitzer muss selbst darin wohnen.

Modifizierung der freien Rechte:
- Ganze Holzrechte
- Halbe Holzrechte ( bei Anwesen-Teilung)
- Frohndmaße für Altenteiler (nicht an Frohndleistung gebunden)
Hausbesitzer (sog.Traufenkatler) konnten in Besitz eines Frohnd-Maßes kommen, allerdings nur wenn eines frei wurde d.h. wenn eine Person auf Altenteil verstorben ist.

die Anzahl der Frohnd-Maße ist (noch heute) auf 32 begrenzt.

Fast der gesamte Wald von Eyershausen in MW-Wirtschaft

Holzliste vom 29.4.1949
Gemeindewald 270 ha davon 263 ha Rechtlerwald 7 ha Gemeindewald

Forstwirtschaftsplan 1968
Wald gesamt 286,3 ha
237,0 ha Rechtlerwald
49,0 ha Mittel- u.Hochwald
Erhebliche Diskrepanz !

Wahrscheinlich wurde 1949 der gesamte Mittelwald als rechtsbelastet angesehen, kann nicht richtig sein, denn aus dem unbelasteten Mittelwald wurden Bürger ohne Holzrecht mit Brennholz versorgt.

Analog zum Rechtlerwald wurden in den unbelasteten Mittelwaldflächen Parzellen ausgemessen und öffentlich zu Gunsten der Gemeindekasse vom Ersteigerer auf "Stock" gesetzt wurden.

Diese Praxis ist den älteren noch bekannt, wurde ab 1945 noch mehrere Jahre fortgeführt.
Erst als Zentralheizungen mit billigem Öl betrieben werden konnten, bestand von Seiten der Nichtrechtler kein Interesse mehr an den so genannten "Lößlich" im unbelasteten Mittelwald.


Die Angaben im Waldwirtschaftsplan 68/69,
- 263,3 ha Waldfläche,
- 237,0 ha Rechtlerwald (zuzüglich Aufforstungsfläche der damaligen Gemeinde)
- 49,0 ha rechtsunbelasteter Mittelwald und Hochwald sind wesentlich zutreffender.

Mit Sicherheit waren 1968 237,0 ha Wald mit Nutzungsrecht belastet.

Nach jahrelangen Streitigkeit fasste der Stadtrat von Bad Königshofen
am 7.Mai 1998 den folgenden Beschluss:

Wörtlicher Eintrag in der Sitzungsniederschrift in blau


1. Holzrechte – Gemeindenutzungsrechte im Stadtteil Eyershausen

Dem Stadtrat wurde in der nichtöffentlichen Sitzung am 2.4.98 unter Ziffer 2
Ausführlich über die Möglichkeiten, die Problematik zu lösen, berichtet.
Dabei wurde auch empfohlen, in der nächsten öffentlichen Stadtratsitzung die
Notwendigen Beschlüsse zu fassen.
Herr Amtsinspektor Dippert gibt nochmals eingehende Erläuterung zu den
Beschlußforlagen.
Folgende Beschlußvorschläge werden vorgetragen.
 

  1. Größe der rechtsbelasteten Fläche

aa) Die Rechtler erhalten die ursprünglich rechtsbelastete Fläche von
237,0 ha nach dem Bestand aus dem Jahre 1930 zurück.
ab) 1. Bürgermeister Behr stellt folgenden Beschlußantrag:
Die Rechtler erhalten die ursprüngliche rechtsbelastete Fläche von
237,0 ha nach dem Bestand aus dem Jahre 1930 abzüglich der recht-
mäßig aufgrund des Forstwirtschaftsplanes vom April 1969 in eine
Hochwaldbetriebsklasse umgewandelten Fläche von 20,0 ha zurück.

Der unter aa) vorgetragene Beschlußvorschlag ist der weitergehendste,
über ihn wird zunächst abgestimmt.
Der Vorschlag wird mit 15:1 Stimme zum Beschluß des Stadtrates erhoben.
Die Abstimmung über den Beschlußvorschlag ab) erübrigt sich damit.
 

  1. Art der Rückgabe und künftige Nutzung der Flächen

Die Rückgabe geschieht wie folgt:

derzeitige rechtsbelastete Fläche 187,9 ha
bereits wieder zurückgeführte Fläche 6,8 ha (Seeschlag 1b4)
und 1,0 ha (Seubertsloch 4b1)
und 5,3 ha (Rehholz 6a1)
Zwischensumme 201,0 ha  (201,7 ha)

Die noch bestehende Differenz von 36,0 ha wird zurückgeführt, wenn die Aufforstungsfflächen hiebreif sind. Der Umtrieb beträgt ca. 120 – 125 Jahre.
Diese Flächen sind: 16,0 ha (Tannig 5a2)  (14,7 ha)
17,2 ha (Seubertsloch 4a4)  (18,0 ha)
Und eine Teilfläche mit 2,8 ha (Angsthag 7a) (2,6 ha)

Bis zur Hiebreife der aufgeforsteten Flächen (120-125 Jahre) fehlen den
Holzrechtlern die entsprechenden Umtriebsflächen. Bei einer Umtriebszeit von 25 Jahren insgesamt 5 mal. Die jährliche Umtriebsfläche beträgt ca.
8,0 ha. Demnach fehlen den Rechtlern auf 4 ½ Jahren (36,0 ha : 8 ha) entsprechende Nutzungen. Beim 5maligen Umtrieb sind dies insgesamt
22,5 Jahre oder 180 ha Flächen. Da jährlich von den Rechtlern als Entschädigung höchstens 49 % des gesamten Rechtes angenommen werden,
bedeutet dies, dass die Stadt insgesamt 45 x Holz als ½ Entschädigung der jährlichen Holznutzung durch die Rechtler tragen muß.

Bei einer Naturkatastrophe in der rechtsbelasteten aufgeforsteten Fläche, wie Waldbrand, Schneebruch, Windwurf u.a. verkürzt sich die entsprechende Laufzeit der Rückführung. Aus diesem Grund wird die Entschädigung auch nur im Laufe der Zeit (anteilig auf 125 Jahre) vorgenommen.

Dieser Beschluß wird einstimmig gefasst.

Die Entschädigung wird mit Kronen vom Vorjahr pro Jahr max. 49 % (aus  Einschlag der Stadt)  9 Jahre pro Umtrieb, beginnend im Tannig 5a2,  abgegolten.

Bei einer Besprechung am 1.6.2011 wurde v. der Forstverwaltung H. Schlegel und dem Stadtförster H. Geßner erläutert, dass auf Grund neuester Messverfahren die gesamten Holzrechtlerflächen vermessen wurden. Die neuesten Ergebnisse wurden in Rot ergänzt. Die Vertreter der Holzrechtler Sebald Philipp, Schüller Berthold, Homer Hilmar wurden informiert und sind einverstanden. Die Gesamtfläche der Rechtler 237,00 ha bleibt.         Die Karten werden diesbezüglich geändert.


Mit diesem Beschluss sind die Steitigkeiten für die nächsten Generationen bereinigt.
Bei Meinungsverschiedenheiten setzen sich die Holzrechtler, vertreten durch die Vorstandschaft, der Bürgermeister mit Verwaltung und der Stadtförster zusammen und klären die Angelegenheit.

Ablauf jährliche Nutzung

- Rechtler muss in der ersten Januarwoche das Holzrecht anmelden.
- es wird ausgeschellt,
- Feldgeschworenenobmann nimmt Anmeldung in der
Gemeindegaststätte an.
- Voraussetzung natürlich ein Holzrecht und Rechtler muss im Haus mit

eingetragenem Holzrecht wohnen.
- Feldgeschworenenobmann gibt Anmeldeliste an die Stadt zur Überprüfung.
(Noch Bürger, noch Eigentümer usw.)
- Ausmessen und Durchnummerierung
- Hiebfläche ca. 8 ha jährlich
- durch Rechtler und Feldgeschworenen

Hiebfläche wird lt. Anmeldung der Rechtler in ½ Rechte vermessen und Durchnummeriert. Von 1 bis Ende je nach Anmeldungen des Jahres.
Schrottiefe = 10 Gerten (12 Nürnberger Schuhe sind 1 Gerte oder 4 Meter)
10 Gerten also 40 Meter
Schrotbreite = 2-3 Gerten je nach Bestand



Laßreitel werden gekennzeichnet.
Je nach Bestand Überständer werden die Laßreitel gekennzeichnet.
Diese dürfen nicht geschlagen werden.

Derzeit sind in Eyershausen folgende Holzrecht vorhanden
- 71 Ganze Rechte
- 19 Halbe Holzrechte
- 32 Frohndmaße
- 4 Meßgerten

Die Anzahl der Holznutzungsrechte ist seit Erlass GE 1808 (heute Gemeindeordnung) unabänderlich "Nach Herkommen" festgeschrieben.

Öffentliche Auslosung
- es wird ausgeschellt, öffentliche Auslosung

- Der Feldgeschworenenobmann ruft die angemeldeten Holzrechtler auf. Mit H.Nr. 1 (alte H.Nr.) wird begonnen. Der Gemeindediener würfelt, alle H.Nr. auf die eine 1 gewürfelt wird werden im Holzbuch vermerkt. Dann erfolgt für alle H.Nr. die mit 1 vermerkt sind der 2. Würfeldurchgang. Das geht solange bis auf einer H.Nr. die letzte 1 steht.
Dieses Haus erhält dann die Holz Nr.1 im Wald, die restlichen Holzrechtler erhalten ihr Recht dann in der Reihenfolge der alten H.Nr.
Die Namen können somit erst nach dem würfeln im Wald angeschrieben werden.

- Das ganze Verfahren wurde von unseren Vorfahren sehr genau durchdacht und ist sehr gerecht. Niemand kann somit auf Bestand oder Hügel einwirken

- Hiebbeginn frühestens nächster Tag
Hiebende im Normalfall spätestens 15.3.
- alles nicht gekennzeichnete Unterholz darf geschlagen werden.
- nicht Laßreitel
- nicht Überständer (Bäume die älter als 25 Jahre sind)
- Ertrag ganzes Holzrecht ca. 5 Ster

Ernte Stadt

Im folgenden Jahr kommt die Stadt zum Nachhieb
Ertrag ca. 300 bis 400 große Eichenstämme die die Stadt ohne großen Aufwand verkaufen kann, dazu kommt das Sterholz und der Abraum

Abfahrt nur bei trockenem Wetter bis zum 1.10.

Die Mittelwaldwirtschaft in Eyershausen bringt Vorteile für die Stadt, den Holzrechtlern und vor allem für die Natur.

Der Staatspreis des bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten für vorbildliche Waldbewirtschaftung wurde 2004 verliehen.