Seite 81 - 100, vom 12. Februar 1860:

Holzrecht in Eyershausen:

"Normen bei Vertheilung des Mahsholzes aus dem Gemeindewalde dahier". a ist heilige Pflicht der Gemeindeverwaltung nach Kräften dafür Sorge zu tragen, daß die Rechte der Gemeinde, und die üblichen althergebrachten Ortsbestimmungen aufrecht erhalten werden.

Um nun einerseits dieser Verpflichtung nachzukommen, anderntheils aber auch dem Wunsche und Verlangen der Mehrzahl der hiesigen Gemeindemitglieder zu willfahren, versammelten sich die Gemeindeverwaltung und sämtliche Gemeindemitglieder auf dem Gemeindezimmer dahier, um die seit unfürdenklichen Zeiten bestandenen und hergebrachten Bestimmungen über den Bezug und die Vertheilung des Mahsholzes aus dem hiesigen Gemeindewalde mehr zu bekräftigen und einzuschärfen, hiebei aber auch einige Bestimmungen näher zu erklären und hinzusetzen und zu einem förmlichen Gemeindebeschlusse zu erheben, damit die Gemeinde für die Zukunft allen Eventualitäten und kostspieligen Prozessen enthoben werde.

A

Seit unfürdenklichen Zeiten bestanden hierorts bezüglich der Holzvertheilung folgende Bestimmungen:

I.

Wer sich bis Peterstag (22. Februar) das Nachbarrecht gesetzlich erworben, den Verfassungseid abgeleistet und vor dem Holzausmessen verehelicht hat, dem muß in denselben Jahre die ihm gebührende Holzmaß zugemessen werden.

II.

Wer ein holzberechtigtes Wohnhaus durch Kauf, Ehelichung oder Erbschaft sich erworben hat, muß dasselbe auf Peterstag (22.Februar) förmlich bewohnen, wenn er das auf dem Haus haftende Holzrecht erhalten will.

Ist er aber ein neuer Nachbar und hat als solcher die Bedingung der nächstfolgenden Bestimmung erfüllt, so erhält er für jenes Jahr nur die sogenannte Frohndmaß, wenn nicht ein besonderer Grund in dieser Beziehung zwischen ihm und der Gemeindeverwaltung ein anderes bestimmt.

III.

Der Besitzer von einem holzberechtigten Hause erhält das auf seinem Hause haftende Holz erst dann, wenn er sein Haus selbst förmlich bewohnt, d.h. er muß sein Haus nach dem ortsherkömmlichen Sinne, worüber die Gemeindeverwaltung und das Feldgericht entschieden hat, und auch künftig zu entscheiden hat, bewohnen.

IV.

Wenn der Gemeindewirth ein holzberechtigtes Wohnhaus dahier besitzt, so erhält er die Hausmaß von seinem Wohnhause, wenn er solches auch nicht bewohnt während er im Gemeindewirthshause wohnt. Der Gemeindewirth macht sonach von dem ad III. beschriebenen hechte allein eine Ausnahme.

V.

Die Holzberechtigten mit Ausnahme der Besoldeten dürfen im Walde kein Holz verkaufen, wenn sie nicht nachweisen können, daß sie noch auf ein Jahr Vorrath haben und das neue Holz nicht bedürfen.

VI.

Das Holzverzeichnis wird vom Ortsvorstande angelegt, dann von der Gemeindeverwaltung und dem Feldgerichte geprüft; besonders muß genau untersucht werden bei den Zugängen, ob solche nach den bestehenden Rechten auch Holz ansprechen können, und es ihnen zugemessen werden dürfe."

Dies sind die hergebrachten Hauptbestimmungen bei Vertheilung des Mahsholzes, welchen öfters die Schlußworte beigesetzt sind; Omnia ad Majorem Dei Gloria (Alles zur größeren Ehre Gottes).

Festhaltend an diesen Bestimmungen wird zum besseren Verständnisse derselben noch Folgendes festgesetzt;

B.

I.

Ein jeder neuer Hausbesitzer hat sich bei dem jeweiligen Gemeindevorsteher zu melden, daß er sein Haus bezogen habe und bewohne und deshalb das Holz anspreche.

II.

Eine Person, welche auf die Abgabe des auf ihrem Hause zu beziehenden Holzquantums Anspruch machen will, muß selbständig d.h. großjährig sein und darf nicht mehr unter älterlichen Brode stehen.

III.

Muß ein Hausbesitzer sein Wohnhaus Petri (den 22. Februar) besitzen und förmlich bewohnen.

Unter förmlicher Bewohnung eines Wohnhauses im eigentlichen und im hiesigen ortsüblichen Sinne, ist zu verstehen; "die Betreibung eines Geschäftes, die Fuhrung eines geordneten Hauswesens, die Benützung des Herdes und Ofens in dem Wohnhause; also die Führung einer geregelten Haushaltung wird unter der förmlichen Bewohnung eines Hauses verstanden, und nur eine solche Bewohnung hat Anspruch auf das Recht des Holzantheils; alle und jede anderweitige Definition, sohin auch jede juristische, ist nicht stichhaltig und sohin unzulässig, weil damit nur eine fingierte d.h. Scheinbewohnung eines Hauses verstanden werden will.

IV.

Es kann sohin eine Person, welche ein Wohnhaus mit Gemeinderecht besitzt, aber beurlaubt im Militairdienste steht, so daß sie jeden Augenblick zu ihrem Regimente einberufen werden kann, keinen Anspruch auf Mahsholz machen, weil die fragliche Person ihr Wohnhaus nicht bewohnen kann. Ist aber eine solche Person bei Ausmessung des Mahsholzes noch nicht einberufen, so muß ihr auch der treffende Holzantheil zugemessen werden; wird sie aber nach der Vertheilung einberufen und steht ein ganzes Jahr im Dienste, so wird ihr der abgegebene Holzantheil wieder in Abzug gebracht.

V.

Unter keiner Bedingung darf ferner eine Person den treffenden Holztheil eines besitzenden Wohnhauses erhalten, wenn sie in ständigem Taglohn arbeitet und nur im eigenthümlichen Wohnhause schläft, weil sie sich quasi verdungen hat.

VI.

Un jeder Scheinbewohnung eines Wohnhauses vorzubeugen, und damit den treffenden Holzantheil eines berechtigten Wohnhauses auf Schleichwege erzielt werden kann, muß ein jeder das ihm zufallende Holz verbrauchen. Hiermit soll aber nicht gesagt sein, daß das Holz unnöthiger Weise verbrannt werden müßte, denn wenn jemand Holzersparnisse macht, durch Einrichtung von Sparöfen oder sich vieleicht andere Brennmaterialien als; Oberholz, Steinkohlen, Torf zur Betreibung seiner Haushaltung anschafft, so kann ihm nicht verwehrt werden sein Mahsholz zu verkaufen.

Endlich

VII.

Da gewiß nicht alle Fälle von Scheinbewohnungen aufgeführt werden können, so wird der jeweiligen Gemeindeverwaltung die Befugnis eingeräumt: "Nach bestem Gewissen zu entscheiden, ob eine Person oder Familie ihr holzberechtigtes Wohnhaus förmlich d.h. unter vorbezeichneten Punkten oder blos zum Scheine bewohnen und ihr sohin der treffende Holzantheil gebührt oder nicht".

Nach Vorlesen unterzeichnen sich: 140 Ortsnachbarn

Erstellt Philipp Sebald