Geschichten die das Leben schreibt:

Kinder haben einen Schutzengel!


Dieses ist eine wahre Geschichte. Sie hat sich zugetragen in Jahre 1932 in einem kleinen Dorf in Unterfranken, namens Eyershausen.

In jener Zeit lebten dort hauptsächlich Bauersfamilien, die arbeitssam mit viel Fleiß ums tägliche Brot für ihre Familien bemüht waren. Es gab auch sehr viele kinderreiche und arme Kleinbauern darunter.

Und so wurden z. B. in allen Familien die kleinen Enten und Gänse fürs Weihnachtsessen selbst gezüchtet. Diese wurden nach dem Schlüpfen mit viel Liebe mit hart gekochten Eiern und gehackten Brennesseln aufgepäppelt, in einem kleinen Korb in der Nähe des Ofens zugedeckt warmgehalten und wenn sie dann etwas größer waren trugen die Kinder sie nachmittags zum Weiden auf den saftigen „Gänsrasen“, bewachten sie und spielten dabei.

So geschah es auch an einem schwülen Sommertag im Jahre 1932. Zwei befreundete Mädchen verabredeten sich am nachmittag zum Gänsehüten. In einem Weidenkorb trugen sie ihre „Lieblinge“ auf den Gänsrasen, dort war eine schöne Wiese, hohe Bäume und ein flacher breiter Bach, in dem die jungen Gänschen auch die ersten Schwimmversuche unternehmen konnten. Heute ist dort ein Spielplatz. Der Bach wurde in einen Feuerlöschteich umgewandelt und am Rande steht das Haus der Vereinsgemeinschaft.

Die beiden Mädchen, Marie und Blandine bemerkten nicht, daß rasch ein Gewitter aufzog. Als die ersten Donner gefährlich nahe grollten und es anfing zu regnen, fingen sie schnell ihre Schützlinge ein, stellten die beiden Körbchen unter eine dicke hohe Pappel und kauerten sich daneben, um sich unter dem großen Blätterdach vor dem Prasselregen zu schützen.

Plötzlich blitzte und krachte es ohrenbetäubend. Die beiden waren wie gelähmt vor Entsetzen. Als sie nach der Schrecksekunde in ihre Körbchen mit den Gänschen schauten lagen diese alle leblos und schlapp darin. Der Blitz hatte in den Baum eingeschlagen, ein langes Stück Rinde herausgefetzt und die kleinen Gänse alle getötet. Heute würde man sagen, die Herzchen der zarten Geschöpfe haben die elektr. Überspannung in der Luft nicht ausgehalten.

Die beiden Mädchen jedoch blieben unversehrt und mußten Ihren Müttern geschockt, unter Tränen, die leblosen Tierchen zurückbringen. Diese waren trotz dieses Unglücks froh, daß ihre geliebten Kinder überlebt hatten. Der so oft zitierte Schutzengel der Kinder hatte hier wohl seine schützende Hand im Spiel.

Am anderen Tag stand in der Zeitung: „Kinder haben einen Schutzengel!“

Die beiden Mädchen leben, inzwischen 78-jährig, heute noch dankbar und glücklich.


Erzählt von Blandine Haller geb. Werner aus Eyershausen (heute Tegernsee).
Aufgeschrieben von: Erika Jeger im Juli 2004.