Schlachttag im Grabfeld


Heute soll ein Schlachtfest sein;
O‘ wehe Dir, Du armes Schwein!

Der Metzger kommt, zieht’s aus dem Stall.
Erst hört man’s quicken, dann den Knall.
Das Schwein fällt um, ist mausetot,
das Blut färbt ringsum alles rot.

Mit heißem Wasser wird’s traktiert,
kriegt seine Borsten abrasiert.

*****

Endlich hat es ausgelitten,
wird in Stücke kleingeschnitten.
Ein Teil von diesem lieben Schwein
kommt gleich in den Kessel rein.
Das Kesselfleisch ist wohlbekannt
und sehr beliebt im Frankenland.
Das ganze nennt man auch Schlachtschüssel,
manche essen gar den Rüssel.
Der eine mag am liebsten Zunge,
der andere ein Stückchen Lunge.
Viele Leute schätzen auch
Kopffleisch, Niere, Herz und Bauch.

Bei diesem Fleisch, mit Salz und Brot
vergisst man schnell den Schweinetot.

Dann wird gewurstelt und gemischt,
zwischendurch mit Schnaps erfrischt.

Und wenn der schwere Tag geschafft,
schenkt dieses Tier gleich wieder Kraft,
in Form von Wurstteig in der Dose
und Schweinebraten mit viel Soße.

Am End‘ ist allen sonnenklar,
wir schlachten wieder nächstes Jahr.


Erika Jeger
Januar 2006