Ein Dorfchor ist fernsehreif!

Europatag der Musik

in Bad Königshofen

Samstag, 26. Juni 1999


Kaum zu glauben, aber wahr,
der Sängerkranz als Fernsehstar.

Internationales Gala-Konzert war überall zu lesen
stolz sind wir dabei gewesen!
Schon Tage vorher ist uns angst und bang;
eigentlich soll nur erfreuen Gesang.

Es wird geprobt, verbessert, entspannt,
für neue Noten noch ‘rumgerannt.
Die Nerven liegen völlig blank,
dafür gibt’s Pillen, Gott sei Dank.

*******


19.00 Uhr fängt die Vorstellung an
da müssen wir dann richtig ran.

Um vier geht’s los, das Kleid wird gebügelt,
die Haare gewaschen, gefönt und gestriegelt.

Nägel geschnitten, gefeilt und lackiert;
es wird geschmiert, gezupft, toupiert,
die Augenringe zukaschiert.
Dick Make-up, Rouge auf die Wangen,
die Menge würde ein ganzes Jahr langen.
Lippenstift und Lippengloss
dann geht auch schon der Ärger los.

Die erste Strumpfhose hat ein Loch,
zum Glück gibt’s eine zweite noch.

Schleife ins Haar, Kette und Ringe,
Frauen brauchen so viele Dinge.

Schnell noch einen Bissen essen,
bloß die Brille nicht vergessen!

Davor noch 20 Kreislauftropfen,
Taschentuch in den Ärmel stopfen.

Ein bißchen wird am Kleid gezupft,
die Ohren mit Parfüm betupft.

Einen Schluck noch aus der Wasserflasche,
wo ist denn jetzt die blöde Tasche?
Ich habe sie, bin fertig, los!
Wo ist der Autoschlüssel bloß?

Antonius, der Heilige, hilft auch hier
und ich steh’ pünktlich vor Silkes Tür.
Auch sie kommt heraus wie ein Filmstar,
hat sogar weiße Blümchen im Haar.

*****


Endlich am Kurzentrum angekommen
hab’ ich einen Schrei vernommen:.
„O heiliger Gesangverein, jetzt fahren wir erst mal’ wieder heim.
Ich hab’s gewußt, es ist wie immer,
die Noten liegen in mei’m Zimmer“.
Das Auto wenden, wir düsen zurück,
nur 5 km, so ein Glück!

Wieder am Kurzentrum angekommen;
von weitem hat man schon Musik vernommen.
Erst geh’n wir in den Keller rein
und singen uns noch tüchtig ein.
„Die So, die So, die So -o-o-ne
die Wo, die Wo, Wo-o-o-ne
Die Ta, die Ta, die Ta-a-a-ne
die Pfa, die Pfa, die Pfa-a-a-ne


Pataka Peteke Pitike Potoko Putuki Pöteke Pa
Tra-ra, tra-ra, tra-ra.

*****


„Leute, lächeln, wie Mona Lisa,
und steht nicht so krumm wie der Turm von Pisa!“

Ein Schlückchen noch für jedermann,
und jetzt sind wir endlich dran.
Langsam marschieren wir hinein,
nein, nein, wir schreiten, das muß sein!

Drinnen Kameras, Kabel, Lichter,
unzählig viel gespannte G’sichter.

Nun heißt es noch ‘mal konzentrieren
und nicht den Anfangston verlieren.

„Wir laden gern uns Gäste ein ...
man singt bei uns recht fein...
man unterhält sich wie man mag,
oft bis zum hellen Tag.....
Chacun a son gout......“

Dannach kommt als genialer Schluß
der „Abendsegen“ als Nachtgruß.

Es folgt ein donnernder Applaus
und wir spazieren wieder raus.

*****


Wir haben das wirklich gut gemacht!
Leider hat man die Aufnahme nie gebracht!

Und die Moral von der Geschicht:
„Geh’ niemals mehr zum Fernsehn nicht!“


Erika Jeger
Bad Königshofen-Eyershausen