AUS DER GESCHICHTE VON EYERSHAUSEN

Das Grabfeld gehört zu den mitteldeutschen Altsiedelgebieten aus der Jungsteinzeit, was verschiedene Funde auch aus dem Bereich Eyershausen belegen. Die eigentliche Geschichte von Eyershausen nimmt ihren Anfang in der karolingischen Zeit mit der ersten schriftlichen Überlieferung im Jahre 799. Die Äbtissin Emhilt überträgt in diesem Jahr mit einer Übereignungsurkunde das Kloster Milz an das Bistum Fulda. Zu den in dieser Urkunde aufgezählten Besitzungen gehört auch der Ort Eyershausen (damals Lisherhusen).

Im 9. und 10. Jahrhundert haben die Popponen und Babenberger die Grafschaftsrechte im Grabfeld inne. Neben diesen beiden Geschlechtern sind auch die Grafen von Schweinfurt an der politischen Führung beteiligt. Die Landwirtschaft beherrscht überwiegend das Gebiet von Eyershausen. Neben vornehmen, großen Grundbesitzern, die ihre weit verstreuten Güter durch Leibeigene bearbeiten lassen, steht eine Schicht von weniger begüterten, gemeindefreien Bauern. Diese bilden den wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung. Sie sind selbständig tätig und bewirtschaften ihre kleinen Besitztümer. Die Leibeigenen dagegen wurden von ihren „Eigentümern" oft verkauft, vertauscht oder verschenkt.

Um das Jahr 1000 bereinigen die Großgrundbesitzer ihre weit verstreuten Besitzungen durch Tausch mit entfernt liegenden Gütern. So kommt Eyershausen aus dem fuldischen Besitz, nicht wie anzunehmen an die reich ausgestatteten Klöster Fulda oder Eichstätt, sondern unter die Herrschaft der Grafen von Hennberg. Bei den Hennebergern kommt es naturgemäß wegen hoher Kinderzahl immer wieder zu Erbteilungen der Herrschaftsgebiete. So kommt Eyershausen im Jahre 1245 zum Grafen Hermann von der Linie Henneberg-Coburg und kurz danach zu Brandenburg. Im Jahre 1312 stößt Eyershausen wieder zur Hauptlinie der Grafschaft Henneberg-Schleusingen und steht unter der Verwaltung des Amtes Heldburg

Der Übergang Eyershausens an das Hochstift Würzburg fällt unter die Regentschaft des Fürstbischofs Albrecht II von Hohenlohe (1345 - 1372), kann aber zeitlich nicht genau abgesteckt werden, da das Hochstift hoch verschuldet ist und deshalb Eyershausen immer wieder verpfändet wird.

Bedingt durch die hohe Verschuldung muß das Hochstift Würzburg alle Einzelpfändungen einstellen und Eyershausen kommt im Jahre 1412 zum Hause Henneberg-Römhild. 1473 löst aber das Hochstift Würzburg seine Verpfändungen wieder ein und Eyershausen kommt wieder und endgültig in den würzburgischen Besitz.

In kirchlicher Hinsicht gehört Eyershausen lange Zeit zu den Hauptpfarreien Untereßfeld und Trappstadt. Am 27. Januar 1456 bestätigt Bischof Johann III eine zu Ehren des Hl.. Sebastian gestiftete Frühmesse. Da der Lebenswandel der katholischen Geistlichen in dieser Zeit alles andere als vorbildlich ist, schließen sich auch die Eyershäuser den Reformen Luthers an und treten in den Jahren 1551 bis 1575 zum evangelischen Glauben über. Doch schon im Jahre 1575 wird nach den Vorgaben der Gegenreformation unter der Regentschaft des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn feierlich der katholische Ritus wieder eingeführt und das Dorf bekommt im Jahre 1590 eine eigene Pfarrei. Als erster Pfarrer kommt Melchior Sang, ein Bruder des damaligen Weihbischofs Eucharius Sang, nach Eyershausen.

Die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts ist in vieler Hinsicht eine unruhige Zeit. Die wirtschaftliche Lage des Volkes, besonders in den Städten, ist nicht schlecht. Der Wohlstand dort reizt dazu mehr politische Unabhängigkeit zu erlangen. Grund zur Unzufriedenheit besteht hauptsächlich bei den Bauern. Deshalb kommt es in den .Jahren 1524/25 zum Bauernkrieg. Die Eyershäuser Bürger schließen sich den Aufständischen an. Nach dessen Niederwerfung wird auch Jakob Albrecht aus Eyershausen, einer der Rädelsführer. beim großen Strafgericht am 28. Juni 1525 in Königshofen i. Grabfeld zum Tode verurteilt und dort öffentlich hingerichtet.

Nach Beendigung des Bauernkrieges werden größere Rodungen durchgeführt und mit dem Ausbau des Dorfes begonnen, was auf eine größere Zunahme der Bevölkerung schließen läßt. Zu dieser Zeit entsteht die heute noch vorhandene „,lange Seite" entlang der Hauptstraße. Der Wohlstand in der Eyershäuser Bevölkerung steigt gegen Ende des 16. .Jahrhunderts weiter an. Es sind glückliche und zufriedene Jahre in dieser Zeit. Die Grundlage dieser Zufriedenheit in Eyershausen sind die futterreichen Auwiesen und der große Waldbestand. Neben Landwirtschaft und Viehzucht wird auch Weinbau betrieben. Um das Jahr 1600 wird die bestehende Dorfordnung überarbeitet und erneuert. In den Jahren 1601/ 02 wird ein eigenes Schulhaus errichtet und die Pfarrkirche (1610) restauriert und mit einem holen spitzen Turmheim (ein sog. Juliusturm) versehen.

Die ruhige, glückliche Zeit Anfang des 17. Jahrhunderts findet aber spätestens im Jahre 1618 mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges ein bitteres Ende. Besonders als der Schwedenkönig Gustav Adolf in den .Jahren 1631/32 die Gebiete der Hochstifte Bamberg und Würzburg erobert, herrscht hier in der Bevölkerung große Not. Nach einem Überfall der Schweden im Würzburgischen 1643 werden die auf dem Rückmarsch nach Thüringen befindlichen Soldaten von einem Eyershäuser Bürger beschossen. Die Schweden fallen daraufhin in Eyershausen ein, richten ein fürchterliches Blutbad an und zünden nach rauhem Kriegsbrauch die Ortschaft an allen vier Seiten an.

Eine Sage aus dem Dreißigjährigen Krieg erzählt:

"Ein tollkühner Bauersmann erschoß vom Kirchturm aus einen an der Spitze seines Regiments vorbeiziehenden schwedischen Obristen. Aus Ruache ritten diese ins Dorf. Die Eyershäuser versteckten sich in der Kirche. Doch die schwedischen Soldaten kannten kein Erbarmen und richteten ein fürchterliches Brutbad an. Das Blut floß wie ein Bächlein den Kirchberg hinab. Anschließend wurde das Dorf geplündert und an vier Seiten angezündet. Lediglich der Holzhüter, der das Feuer von weitem sah, versteckte sich im "Zäunlich" in einer Fuchshöhle. Da auch sein Hab und Gut verbrannte, verkaufte er das Hainholz und die Merklach für 12 Laib Brot und 12 Käse."

Nach den Schrecknissen und wohl nur langsam verheilenden Wunden des Dreißigjährigen Krieges kommt für die nächste Generation eine ruhige Zeit. Von der Pest und Hexenverbrennungsgreueln Ende des 17. Jahrhunderts bleibt Eyershausen weitgehend verschont, Häuser und Stallungen werden neu errichtet und die Felder können wieder regelmäßig bestellt werden. So entwickelt sich Eyershausen Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem wohlhabenden Bauerndorf.

Wohl nur aufgrund dieses Wohlstandes ist es zu erklären, daß man sich Mitte des 18. Jahrhunderts dazu entschließt die neue, von Gärten umgebene Kirche zu errichten. Von der alten Kirche werden weder die Altäre noch sonstige sakrale Gegenstände übernommen. Mit dein Neubau der Kirche ändert sich auch das Patrozinium. Statt des hl. Bonfazius erwählt man sich nun den Schutzpatron der Bauern, den hl. Wendelin, als Schirmherr über die Gemeinde.

Ende des 17. Anfang des 18. Jahrhunderts wird in Eyershausen jährlich viermal Gericht abgehalten, nämlich Petri-, Walpurgi-, Michaelis- und Andreasgericht. Das Petrigericht ist das älteste, heute noch bekannteste und wohl auch bedeutendste Gericht. Es wird jährlich am 22. Februar am Tag des kirchlichen Festes "Petri Kathreda" abgehalten. Dieser Tag ist im Mittelalter ein sehr wichtiger Termin, da hier gewöhnlich die Ämterbesetzung (Bürgermeister, Dorfmeister, Feldgeschworene, Gemeindehirten usw.) vorgenommen und das Rechnungsergebnis der Gemeinde vom Kassier vorgetragen wird. Nach der Ämterverpflichtung folgt dann das sogenannte Rüggericht. Nach dem Verlesen der Dorfordnung werden die Ereignisse und Verfehlungen des abgelaufenen Jahres (Obstdiebstähle, Brunnenbenutzung, Feldschäden durch Weidetiere, Zänkereien usw.) vorgetragen und gerügt. Zur Teilnahme an diesem Gerichtstermin sind alle Gemeindebürger verpflichtet. Nach Beendigung der verwaltungsmäßigen Obliegenheiten erfolgt abschließend der gemeinsame Trunk mit Mahlzeit. Öfters sogar mit Musikanten, Die älteste Beurkundung des Petrigerichtes stammt aus dem Jahre 1698 und der Brauch reicht bis in die heutige Zeit hinein (Bürgerversammlung).

Am 20 April 1744 erhält Eyershausen "von höchster Herrschaft gnädigst gestattet" das Recht eingeräumt, eine eigene Braustätte zu errichten. Daraufhin wird am "Gänsrasen" neben dem Mühlbach ein Brauhaus errichtet, als dieses ausgedient hat (um 1870 umgebaut zum sog. "Armenhaus") wird am Lindenplan ein neues Brauhaus errichtet.

Nach dem Ende des Hochstiftes Würzburg kommt Eyershausen im .Jahre 1803 im Rahmen der Säkularisation zum Königreich Bayern. Die fürstbischöflichen Beamten und Stadtschultheiße an der Spitze einer Gemeinde werden nun durch Bürgermeister ersetzt. Diese Verwaltungsreform wird durch den französischen Kaiser Napoleon ausgelöst. Mit ihm kommen jedoch wieder unruhigere Zeiten über Eyershausen. Kriegerische Auseinandersetzungen in der unmittelbaren Nähe mit den Franzosen gibt es zwar nicht, doch die angeordneten Kriegszahlungen bringen große Not über die Gemeinde, diese Not wird noch durch vom Krieg herbeigeführte Viehseuchen und durch starke Regenfälle verursachte Mißernten in den Jahren 1816 und 1817 verstärkt.

Als das von Kriegslärm und politischen Erschütterungen erfüllte sogenannte napoleonische Zeitalter vorüber ist, kommen neue Schreckensmeldungen über Eyershausen. Bei großen Brandkatastrophen im Winter 1827 und im Oktober 1835 werden viele Häuser, Stallungen und Tiere des Ortes ein Raub der Flammen. Diese Gemeindeteile werden in den Folgejahren unter Mithilfe fast aller Gemeindebürger wieder aufgebaut. Neben dem Wiederaufbau von Häusern und Stallungen entstand 1874 in der neu geschaffenen Dorfmitte an der Hauptstraße eine Gemeindewirtschaft mit Bäckerei, Tanzsaal und Gartenkegelbahn. Das alte Wirtshaus am Lindenplan, dem ehemaligen Dorfmittelpunkt, wird eingerissen. Heute erinnert (ins nur noch der Gewölbekeller der Stallungen an das alte Gasthaus.

Das neue Jahrhundert beginnen die Eyershäuser recht feierlich mit der Errichtung eines Kreuzes auf dem Lahnberg. Wohl keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt, welch großes Leid in den nächsten Jahrzehnten auch diese Gemeinde treffen wird. Die Beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert fordern nämlich auch unter der Eyershäuser Bevölkerung hohen Blutzoll. Das 1920 eingeweihte Kriegerdenkmal vor der Kirche und die Gedenktafeln in der Kriegergedächtniskapelle im Friedhof mit den eingravieten Narnen der 69 Männer, die im ersten und zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mußten, mahnen zum Gebet.

Das 20. Jahrhundert bringt auch für das ehemalige reine Bauerndorf, davon zeugen auch die drei Mahlmühlen, die Dorfmühle, die Zänkersmühle und die Veitsmühle, einschneidende Veränderungen. Sense und Dreschflegel haben ausgedient und 1904 erregt die erste Dampfdreschmaschine großes Aufsehen. Bald schon jedoch gehört sie zum Alltag und weitere fortschrittliche Neuerungen folgen. Heute verringert sich die Zahl der Vollerwerbslandwirte ständig und so wird aus dem einst reinen Bauerndorf nun ein Ort von Arbeitern, Angestellten. Handwerkern und selbstständigen Unternehmern.

Weitere wichtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts sind der Anschluß an das Telefonnetz im Jahre 1905 und an das Elektrizitätsnetz im Jahre 1922. 1930 kommt der erste Traktor, wenig später im Jahre 1932 das erste Auto nach Eyershausen. Nach über 300 Jahren hat das alte Schulhaus (wo heute der Kindergarten untergebracht ist) ausgedient und in den Jahren 1957/58 wird ein neues Schulhaus gebaut. Von 1958 bis 1965 wird die Flurbereinigung mit Ausbau der Wirtschaftswege durchgeführt. Die Ortskanalisation, der Anschluß an die zentrale Trinwasserversorgung und der Bau der Kläranlage wird in den Jahren 1967 bis 1970 durchgeführt. Die Teerung der Innerortsstraße erfolgt in den Jahren von 1970 bis 1972. Am 1. April 1972 verliert Eyershausen die Selbständigkeit und wird im Rahmen der Gebietsreform ein Stadtteil von Bad Königshofen i. Grabfeld.

Im Jahr 1999 findet in Eyershausen, anlässlich seines 1200-jährigen Bestehens, ein großes Fest statt, unter dem Titel "Historisches Dorf Eyershausen".

In Eyershausen herrscht heute ein reges Vereinsleben. Es gibt den Sportverein ASV Eyershausen, den Sängerkranz Eyershausen, die Soldaten- und Reservistenkameradschaft, den Musikverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Landfrauen, den Bauernverband, der Seniorenkreis und die Jagdgenossenschaft. Die Vereine haben sich in der Vereinsgemeinschaft Eyershausen zusammengeschlossen und unterhalten u.a ein Vereinsheim. Es werden im laufe eines Jahres zahlreiche Veranstaltungen und Feste geboten. Neben dern Vereinsleben wird auch altes Brauchtum gepflegt, so z.B. der Zechverein (alle 10 Jahre). Wallfahrten, Prozessionen. Maibaumaufstellung und Maifeuer, Rumpelbuben an den Kartagen, Sternsinger am Dreikönigstag und Theaterspielen.